Lavendel richtig trocknen

Getrocknete Lavendelblüten

Wie man sie selbst herstellen kann

Puki 

 Oktober 2020


 

Längst wird Lavendel nicht nur in Südfrankreich angebaut. Der duftende Strauch schmückt auch viele hiesige Gärten. Und genau diese Blüten verwendet man auch zur Herstellung von Seife, Tee und Duftsäckchen. In diesem kurzen Beitrag erfährst Du, wie das am besten geht.

 

1. Die richtige Lavendelsorte

Welcher Lavendel wird zum Trocknen verwendet? 

Es ist tatsächlich so: Lavendel ist nicht gleich Lavendel. Zwar haben alle Lavendelsorten ihren typischen Duft und die Farbe ist auch ähnlich, aber für die Weiterverarbeitung trocknet man in der Regel eine ganz bestimmte Sorte: den Echten Lavendel, der aufgrund seiner schmalen Blätter auf Latein Lavandula angustifolia heißt. 

Die Blütenfarben der Lavandula angustifolia ist nicht so intensiv wie bei manchen anderen Sorten, aber die Pflanze produziert winzige Blüten, die man für Duftkissen u.Ä. einsetzen kann.


2. Der beste Zeitpunkt und die richtige Rückschnitttechnik


  Wann schneide ich den Lavendel und wie genau? 

Lavendel ist eine insektenfreundliche Pflanze und bietet Bienen, Wespen und Schmetterlingen viel Nahrung, und das über mehrere Monate hinweg. Der beste Zeitpunkt zum Schneiden des Lavendels ist daher dann, wenn die Blüten an der Pflanze schon verblüht sind und keine oder kaum noch Nahrung für Insekten bieten. Das erkennt man daran, dass die Blütenstände nicht mehr helllila und offen sind, sondern eher trüb und geschlossen. Im Hinblick aufs Kalenderjahr geschieht das in unseren Breitengraden im Laufe des Septembers.

Für das Schneiden der Blüten wählt man am besten einen trockenen Tag - nicht nur, weil es praktisch ist, sondern auch, damit die zurückgeschnittenen Stängel nicht zu viel Feuchtigkeit an den Schnittstellen abbekommen und dadurch faulen.

Zum Schneiden der Blüten kann man eigentlich direkt einen Rückschnitt vornehmen, denn würde man nur die Blütenköpfe schneiden, blieben viele, spitze Stängel zurück, an denen man sich verletzen kann und die unschön aussehen. Man schneidet daher ganze Lavendelhalme zurück und zwar so weit, wie man die Pflanze von der Form her haben möchte. Vorsicht: Nicht ins alte Holz schneiden, d.h. nicht an den Stellen, die schon braun verholzt sind und wie echte Baumrinde aussehen, sondern nur so weit unten ansetzen, wie die Stängel blaugrau und flexibel sind. Den Rückschnitt selbst mir einer sauberen, scharfen Gartenschere vornehmen, damit sich die Pflanzen nicht entzünden. Der Rückschnitt im Spätsommer tut der Pflanze auch aus einem anderen Grund ganz gut. Wenn nämlich die starken Herbstregen einsetzen oder später Schnee fällt, nehmen die Blüten viel Feuchtigkeit auf, werden schwer und drücken die Pflanze nach unten. Noch schlimmer ist das unter der Schneedecke. Dadurch können die Lavendelstängel brechen oder sich so verbiegen, dass löchrige Kahlstellen entstehen. Also: Kräftig zurückschneiden und den Rückschnitt nicht wegwerfen, sondern den nächsten Verarbeitungsschritt vornehmen.


3. Das Trocknen des Rückschnitts


Wie trockne ich meinen Lavendel am besten?

Der Lavendel ist jetzt geerntet, die Blüten hängen noch an den Stängel und müssen noch trocknen. Auch wenn man den Lavendel zu einem Zeitpunkt erntet, wenn er schon vertrocknet wirkt, ist noch Restfeuchtigkeit in den Blüten und Stängeln drin. Die muss weg, bevor der Lavendel in Duftsäckchen oder Teebeutel wandert, damit sich keine Schimmelpilze bilden.

Dazu kann man entweder die Lavendelstängel samt Blüten trocknen und dann die Blüten von den Stängeln entfernen oder umgekehrt, d.h. zunächst die Blüten entfernen und sie dann trockenen.

Ich empfehle die 1. Vorgehensweise, weil sie platzsparend ist. Dazu schneide ich zunächst nur die Blütenköpfe ab, verteile sie auf große Backbleche und lege sie zum Trockenen an einen warmen Ort mit niedriger Luftfeuchtigkeit. Die Blütenköpfe sollen dabei möglichst flach auf der Trocknungsfläche verteilt sein und mehrmals täglich gewendet werden. Nach etwa 2-3 Tagen sind sie getrocknet. Den Vorgang kann man beschleunigen, indem man die Restwärme des Backofens nutzt und die belegten Bleche bei maximal 50° in den Ofen schiebt. Dadurch werden die Blüten allerdings noch etwas gräulicher und so trocken, dass sie fast schon knistern.

Anschließend werden die einzelnen Blüten von den Blütenköpfen abgestreift. Das ist erst jetzt möglich, weil direkt nach dem Rückschnitt die Blüten noch wegen der Restfeuchtigkeit an den Stängeln quasi kleben. Für diesen Arbeitsschritt sollte man Handschuhe verwenden, weil man sonst harzig verklebte Finger kriegt - das Schwarz ist besonders hartnäckig unter den Fingernägeln.

Unabhängig davon, ob man die Blütenköpfen zuerst abschneidet, dann trocknet und dann abstreift oder zuerst trocknet und dann schneidet bzw. direkt abstreift, muss man am Ende noch einige Male die getrockneten Blüten genau daraufhin prüfen, ob nicht kleine Stängel von den Lavendelköpfen übrig geblieben sind. Diese piksen nämlich und gehören nicht in die getrockneten Blütenvorräte hin.


4. Getrockneten Lavendel richtig aufbewahren - darauf ist zu achten

Die getrockneten Blüten können nun direkt in Duftsäckchen, Teebeutel, Seif etc. wandern. Hat man mehr hergestellt als direkt gebraucht wird, können die Blüten problemlos über einen längeren Zeitraum aufbewahrt werden. Wichtig ist es, ein luftdichtes Behältnis zu wählen - ein leeres Marmeladenglas mit Schraubdecken reicht völlig aus.


 

5. Wie viel Lavendelblüten bleiben am Ende eigentlich übrig und wie viel Rückschnitt kann ich aus meinen Pflanzen ernten?


Das Verhältnis von Rückschnitt zur endgültigen Menge der getrockneten Blüten hängt vom Alter des Lavendels und damit der Länge der Halme ab: Junge Pflanzen treiben nicht so lange Stängel aus wie ältere. Bei einer gut gepflegten, 10 Jahre alten Lavendelpflanze, deren Gesamthöhe nach Austrieb etwa 1,6m beträgt, ist das Verhältnis in etwa 4:1. Das heißt, aus 1 Kilo Rückschnitt gewinnt man etwa 1 Pfund getrocknete Blüten. Jetzt stellt sich vielleicht noch die Frage, wie viel Rückschnitt der eigene Garten hergibt. Ich kann nur meine Erfahrungswerte teilen, und die lauten: 10 große Pflanzen, deren Blütenstände den Sommer über regelmäßig für kleine Sträuße genutzt werden, ergeben im Herbst 2 Kilo Rückschnitt. Für den normalen privaten Bedarf ist das mehr als ausreichend. 


 


 


 


 

 

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